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Lost in Media

Autor: Fritz Bias (Seite 3 von 7)

Keine Wahl

Würden wir nur unseren Alltag zum Maßstab nehmen, ließe sich über die “Gesellschaft” nicht viel mehr sagen, als dass es sie gibt: Die soziale Realität ist, was sie ist, weil sie nunmal ist, wie sie ist. Von Menschen gemachte Verhältnisse so zu betrachten, als seien sie ohne unser zutun gewachsen, nannte der Soziologe Pierre Bourdieu “Naturalisierung”. Tatsächlich ist diese naive Art zu denken viel weniger harmlos, als es zunächst den Anschein hat. Ein paar Beispiele: “Wir produzieren diese Sendungen, weil der Zuschauer sie sehen will” (Fernsehen), “Wenn ich es nicht tue, macht es ein anderer” (Kriminelle), “Wir führen Krieg, um den Frieden zu sichern” (Militär, Regierungen), “Es gibt keine Alternative zu unserer Politik” (Neoliberale), “Der Niedriglohnsektor wurde nicht geschaffen, es gibt ihn einfach” (Olaf Scholz, SPD), und auch sehr beliebt: “So ist der Mensch eben”, also z.B. egoistisch, gewalttätig, kapitalistisch usw., eine Aussage, die generell ausschließen soll, dass “der Mensch” sich ändern könnte. Dabei ist die Rede vom “Mensch” im Allgemeinen schon selbst die allergrößte Naturalisierung. Wer soll das denn eigentlich sein? Wir alle natürlich, die wir Menschen sind, nur eben rigoros eingedampft auf angeblich angeborene, unabänderliche Gemeinheiten, die in jedem von uns stecken sollen. Als Realisten bezeichnen sich gerne diejenigen, die solchen biologistischen Unsinn verbreiten, um sich selbst ihre frustrierte Weltsicht zu erklären oder die eigene Gemeinheit damit zu entschuldigen, dass alle anderen ja auch nicht besser sind. Im Kern dieses Geredes steckt Ideologie. Sie ist ihren Anhängern oft selbst nicht bewusst, da sie sogar in ganz gegensätzlichen Ansichten und Meinungen enthalten sein kann. Es ist die Ideologie des De-Engagements, der Entpolitisierung des eigenen Denkens und Handelns. Dieser “ideologische Realismus”, der mit der Realität nichts gemein hat, besteht darin, die eigene Kraft- und Willenlosigkeit als allgemeines Gesetz aufzufassen und damit jegliche Bestrebung, die darauf hinausläuft, sich selbst zu ändern oder die Gesellschaft, oder überhaupt irgendwie gestaltend aktiv zu werden, für grundsätzlich sinn- und zwecklos zu halten: Wo Natur herrscht, hat Politik nichts zu sagen. Oder nochmal anders: Da sind wir leider machtlos.

Der liberale Zeitgeist scheint vom ideologischen Realismus unberührt zu sein. Die Selbstoptimierer, Startupper, Studierende, junge Familien und auch Arbeitslose, die sich bewerben, selbst verrentete Freizeitgestalter und Grundschüler, die Limonade verkaufen, eigentlich jeder, der überhaupt etwas in dem Glauben tut, damit sein Leben verbessern zu können, scheint beseelt zu sein von einem Idealismus der Tat, also der Überzeugung, dass es selbstverständlich besser ist zu handeln, als nichts zu tun. Dass sich diese Ideologie der Tat und der ideologische Realismus des Desengagements nicht widersprechen müssen, obwohl sie scheinbar für völlig gegensätzliche Haltungen stehen, wird beispielsweise an den oben genannten naturalisierenden Aussagen deutlich: “Es gibt keine Alternative zu unserer Politik”, soll ja gerade nicht bedeuten, dass nichts zu tun wäre, sondern eben nur nichts anderes als bisher schon. “Weiter so” und “Lasst uns mal machen” steckt in dieser Aussage und verbindet Desengagement mit einem Pathos der Tat, indem die Angesprochenen aufgefordert werden, selbst nichts zu tun, und trotzdem daran zu glauben, dass es auf gutem Wege voran geht.
Mit einem bisschen schlechten Willen ließe sich in dieser Verbindung die heutige Grundverfassung des demokratischen Wahlvolkes erkennen. Es sieht sich in der moralischen Pflicht zu wählen und gibt mit dem Wahlzettel, das ist praktisch, auch die Verpflichtung ab, darüber hinaus politisch handeln zu müssen. Für die meisten Wähler sind staatlich organisierte Wahlen das einfachste Mittel, um sich an der Demokratie zu beteiligen. Oft sind sie auch das einzige. Gerade für die ansonsten politisch inaktiven Demokraten sind Wahlen besonders wichtig, da sich ihr Desinteresse mit dem Wählen umstandslos in politische Teilhabe verwandeln lässt. Es ist das Dogma einer eher unpolitischen Demokratieauffassung, sich verpflichtet zu fühlen, wählen gehen zu müssen.

In Vorwahlzeiten wird unablässig darauf hingewiesen, dass es keinen Grund gäbe, nicht zu wählen. Wählen wäre alternativlos. Nichtwählen würde der Demokratie schaden. Möglicherweise gibt es Situationen, in denen das Gegenteil richtig ist. In denen das Wählen nur der Ausdruck eines Unwillens ist, wirklich politisch aktiv zu werden. Neben vielen anderen guten Gründen für das Nichtwählen reicht es vielleicht schon aus, seine Stimme nicht abgeben zu wollen an einen Repräsentanten, sondern sie zu behalten, um sich selbst Gehör zu verschaffen. Es ist vollkommen legitim, nicht für die Vertreter eines Politbetriebs zu stimmen, der sich nach den Wahlen daran macht, für die weitere Entpolitisierung unseres Denkens und Handelns zu sorgen.

Die im Vorfeld der Wahlen geführten Scheindebatten um Kandidaten, Köpfe, Parteien, Programme, Koaltitionen usw. bilden zwar kaum ab, wie Politik wieder demokratisiert, also zugänglich werden könnte für Nichtpolitiker, allerdings zeigen sie, wie unsere Demokratie derzeit organisiert und von Berufspolitikern interpretiert wird: Der Staat als Beute der stärksten Parteien. Als eine hermetisch abgeriegelte Sphäre des Politischen, die nur als flache, unangreifbare Darstellung politischer Realitäten nach außen dringen soll. Diese Vorstellung von Politik wird uns auf vielen verschiedenen Kanälen nahegebracht, sie ist gezielt daraufhin optimiert, Politik ausschließlich als das zu verstehen, was unsere Politiker machen. Auch hierbei handelt es sich um eine Naturalisierung. Sie besagt in etwa: So ist Politik eben. Soll heißen: Nur wer sich darauf einlässt, kann politisch aktiv werden. Indem er wählt oder Parteimitglied wird. Und danke, mehr wird gar nicht verlangt.

Retromanische Episode

Das Gedächtnis ist zwar lückenhaft und es wählt nach subjektiven Kriterien aus, was es behalten möchte, grundsätzlich ließe sich aber alles erinnern, was einmal erlebt wurde. Es gibt Techniken, die dabei helfen, das Vergessen zu verlernen, wie die vergessene Kunst der Mnemonik zum Beispiel oder das Netz, das Internet. Das Netz als technische Erweiterung des Gedächtnisses zu betrachten, wäre allerdings nicht mehr als ein technophiles Fantasma. Zwar ist das Prinzip der Vernetzung grundsätzlich zum Aufbau von Gedächtnisleistungen notwendig und daher mit einigen Funktionen technischer Netzwerke vergleichbar, der wesentliche Unterschied aber liegt nicht in den Modi der Verarbeitung, sondern im Gebrauch; das Gedächtnis erinnert, das Netz behält und wiederholt (oder holt wieder). Dieser formale Unterschied ist für eine bisher unüberbrückbare Differenz zwischen Technik und Organismus verantwortlich: Während im Leben keine Wiederholung möglich ist, ergibt schon die einfachste technische Idee keinen Sinn, ohne die grundsätzliche Möglichkeit, Vorgänge genau reproduzieren zu können.

Nichts Neues entsteht in der Wiederholung, dagegen ist jede Erinnerung etwas Neues. Erinnerungen fügen der erlebten Vergangenheit etwas hinzu, das sie gegenwärtig hält. Wie sich dieses Neue bestimmen oder messen ließe, ist schwer zu sagen. Die passende Maßeinheit wäre wohl die Intensität des Gefühls, welche die Erinnerungen begleitet. Insofern sind Erinnerung und Wiederholung Phänomene, die unterschiedlichen Existenzbereichen angehören: Wiederholungen sind ausschließlich technisch realisierbar und viel exakter als Erinnerungen, aber biographisch ineffizient, weil sie am Maß der Intensität nicht zu unterscheiden sind. Ihnen fehlt es an der dramaturgischen Differenz, die Erinnerungen auszeichnet: Was als wichtig empfunden wird, wird in der Regel eher erinnert als Unwichtiges. Gerade die Gleichmacherei, das alles Behalten und nichts Vergessen der technischen Archive, macht sie strukturell lebensfremd.

Damit ist allerdings nicht gesagt, dass sich Erinnerungen immer auf reale Erlebnisse beziehen müssen. Wir verknüpfen Gefühle auch mit Ereignissen, die wir nie erlebt haben. Wenn wir lesen, Filme sehen oder Beiträgen in sozialen Medien folgen, sind Gefühle nicht suspendiert, weil sie medial vermittelt werden. Manchmal ist gerade das Gegenteil der Fall; erst das Medium schafft den Gefühlsraum, der es erlaubt, sich so zu erfahren, wie es dem eigenen Selbstbild entspricht.
Es macht den besonderen Charakter von Medien aus, Techniken und Menschen so in Beziehung zu setzen, dass sie miteinander kommunizieren können. Daraus ergibt sich (zumindest theoretisch) auch die Möglichkeit, jenseits von Erinnerung und Wiederholung eine dritte Form der Retrospektion zu erfinden. Das wäre eine mediale Chronologie, die es uns möglich macht, aus technisch gespeichertem Material und eigenen Erinnerungen ein Patchwork an realen und medialen Beziehungen zu basteln, die es uns erlauben, die Vergangenheit so zu sehen, als wäre sie in Zukunft veränderbar. Wir kennen solche Umschriften aus der Psychotherapie (aber auch als Gehirnwäsche). Immer geht es darum das Erleben des eigenen Erlebens so zu verändern, dass die eigene Vergangenheit nicht zwanghaft wiederholt werden muss.

Umso erstaunlicher ist es, dass eine von digitalen und visuellen Medien bestimmte Kultur wie unsere unter einer Überlast der Vergangenheit leidet. Offenbar unfähig, Neues hervorzubringen, werden in den Massenmedien Wiederholungen produziert, die sich in Erinnerungen verwandeln sollen. Der Zuschauer (oder Hörer) soll sich an sich selbst erinnern, wie (glücklich) er war, als er eine alte TV-Serie, einen Oldie oder Film zum ersten Mal sah oder hörte. Tatsächlich stellt sich aber das erschlagende Gefühl verflossener Zeit ein. Die dabei erzeugte Intensität läuft in depressive Verstimmungen aus, da der Gedanke “einmal jung gewesen zu sein” nicht auf die Zukunft hin öffnet, sondern in der Vergangenheit verharrt. Das Versprechen der Popkultur, die Langeweile der Gegenwart aufzubrechen und Biographien zu verändern, indem sie überhaupt aufzeigt, dass Menschen sich verändern können, wenn sie ihren Wünschen folgen, dieses Versprechen scheint nicht mehr zu gelten, seit popkulturelle Retromoden notwendige Entwicklungen blockieren, statt sie anzustoßen. Immer neue Schleifen von Wiederholungen sind nicht geeignet, die Zukunft zu erfinden.
Die Popkultur befindet sich heute in dem seltsamen Zustand der Gleichzeitigkeit ihrer gesamten Geschichte; alles was war, ist wieder da, ohne dass zu verstehen wäre, was das eigentlich soll. Diese manische Phase der Wiederholung schlägt langsam um in eine kulturdepressive Episode: Pop scheint die Kraft verloren zu haben, unsere Kultur erneuern zu können. Das ist immerhin neu … aber auch dystopisch.
In der Vergangenheit haben Subkulturen wie Punk oder zuletzt Hiphop gerade aufgrund ihrer radikalen Ablehnung der vorherrschenden Kultur den Effekt gehabt, positive Energie freizusetzen, die dann zur kreativen Zerstörung des institutionalisierten Mainstreams führte. Niemand konnte das Alte noch hören oder sehen wie vorher, jetzt gab es eine Störung, ein Gegenbild zu der konservativen Behauptung, dass die Realität unumstößlich sei. Kein anderer Slogan als das “No Future” der Punks war jemals besser geeignet, um das paradoxe und dialektische Verhältnis von Pop zur Gegenwart aufzuzeigen: In der totalen Verneinung der Hoffnung auf eine bessere Zukunft lag zugleich die Kraft, Wut zu erzeugen, eine starke Intensität, die in der Lage ist, den alten Krempel abzuräumen und Platz zu schaffen für etwas Anderes. Genau das ist die notwendige Voraussetzung, um Neues zu schaffen, also den Ausblick auf eine andere Zukunft zu ermöglichen.
Unsere Gegenwart erschöpft sich dagegen in leidenschaftslosen Wiedererzählungen vergangener Moden, die zu schwach sind, um sich selbst abzuschaffen. Es bedürfte einer Möglichkeit des Sich-Selbst-Fremdwerdes, alienation, einer neuen Seltsamkeit, die die konformistische Normalität von verinnerlichten Werbe- und Idealbildern durchbricht. Obwohl die Demokratisierung der technischen Medien heute Möglichkeiten bieten würde, die Selbstfiktionalisierung und Neuerfindung leicht zu machen, bringen sie eher so etwas wie soziale Entropie hervor. Der Anpassungsdruck ist durch die Allgegenwart der Medien gestiegen. Und der Wunsch “mal ganz anders zu sein” ist derzeit selbst bei jungen Leuten kaum zu erkennen. Statt Ausbrüche aus der ökonomischen und biografischen Vernunft zu fördern, erhöhen die sozialen und die Massenmedien den Druck auf alle Nutzer ständig präsent zu sein und machen Anwesenheit zum Selbstzweck, weil Klickraten und Quoten das Geschäft betreiben. Allgemein gilt als sicher, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Nutzer nur gering ist und weiter sinkt aufgrund der ständigen Überfütterung. Alle ausgesandten Botschaften haben sich deshalb Regeln zu unterwerfen, die als Gleichmacherei nicht ausreichend beschrieben wären. Es handelt sich vielmehr um eine Regression von Kommunikation, die Gedankenlosigkeit fördert, und auf Kürze, sofortiges und anstrengungsloses Verstehen und Wiederholung setzt. Was wir zu sehen und hören bekommen, wird sich immer gleicher (und damit technischer). Nur die Möglichkeiten mehr davon zu konsumieren, nehmen ständig zu. Vielleicht befinden wir uns in einer Phase des technischen Denkens, die uns alle erfolgreich damit infiziert hat, wie Roboter zu träumen: Wir wären gern wie alle anderen, um richtige Menschen zu sein.

Fakten Fake

Es gibt Lügen, die nie auffliegen. Weil sie zu geschickt konstruiert sind oder weil sie nebensächlich sind und schnell wieder vergessen werden; einige wollen aber auch nicht aufgedeckt werden, einfach deshalb, weil sie gern geglaubt werden. Fake News gehören zu dieser letzten Kategorie: Sie wollen geglaubt werden, obwohl sie meistens leicht als Lügen zu entlarven wären. Es reicht nicht, Fake News mit Fakten zu begegnen, um sie zu entkräften. Fakten richten gegen Glauben nichts aus. Um die Wirksamkeit von Fake News zu verstehen, könnte es helfen, sie nicht als plumpe Lügen zu betrachten, sondern als Aussagen, die ein Bedürfnis bedienen, das mit Fakten nicht gestillt werden kann.

Eine genauere Definition von Fake News müsste eine allgemeine Bestimmung ihres Zwecks enthalten, der nicht nur in gezielter Desinformation bestehen kann, weil dann immer noch die Frage offen bliebe, wozu die Desinformation dienen soll. Die meisten politischen Kommentatoren der “Qualitätsmedien” liefern allerdings diese flache Erklärung, als wäre sie bereits eine Antwort auf die Frage, wie Fake News wirken. Dass es sich dabei um keine Erklärung der Zwecke und Wirkungen handelt, sondern um einen Vorwand, die Grenze zwischen Fakt und Fake umzuwandeln in eine Aussage darüber, wer Freund und wer Feind ist, scheint oft nicht einmal denen klar zu sein, die in diesem Sinne argumentieren. Statt Wirkungsforschung zu betreiben, die auch die oft völlig verquere und politisch motivierte eigene Berichterstattung miteinbeziehen müsste, werden Schuldige gesucht und meistens auch gefunden: Die Russen, AfD, Verschwörungstheoretiker, Antisemiten usw. Hinter den bereitwilligen Multiplikatoren von Hassbotschaften, Fake News und wirren Verschwörungthesen werden fast immer größere Mächte am Werk gesehen. Dass es sich bei diesem Erklärungsmuster selbst um Verschwörungsdenken handelt – das heißt übrigens nicht, dass es nicht trotzdem zutreffen kann -, wird immer dann deutlich, wenn echte Beweise für das Wirken der Hintermänner ausbleiben, was fast immer der Fall ist. Der Mangel an Beweisen wird dann mit dem Hinweis plausibel gemacht, dass das Netz ein Dschungel sei, undurchschaubar, verworren und – darauf kommt es an: unzuverlässig. Die eigenen unbewiesenen Behauptungen erfüllen in dieser Argumentationslogik paradoxerweise die Rolle der Beglaubigung des eigenen Sprechens: Die sozialen Medien werden insgesamt als dermaßen unzurechnungsfähige Quelle dargestellt, dass selbst anerkannte Wahrheitsinstanzen wie die “Qualitätsmedien” ihre Aussagen über Fake News nicht beweisen können. Dass sie ebenfalls regelmäßig Fake News produzieren, spielt an diesem Punkt keine Rolle mehr, da diese Auffassung dem Selbstbild professioneller Journalisten widerspricht. In ihrer Selbstwahrnehmung kommt es zwar vor, dass Fehler gemacht werden, in der großen Mehrzahl halten sie ihre Hervorbringungen aber für gelungene journalistische Darstellungen zweifelsfreier Fakten.

Auf diesem Niveau der Selbstreflexion ist es kein Wunder, dass immer mehr Vertreter der zentralen Meinungsmachermedien davon reden, mit Faktenchecks die alte Wahrheitsordnung wiederherstellen zu wollen. Diese simple Idee ist nicht nur strikt realitätswidrig, schließlich befinden wir uns auf dem Feld massenmedialer Produktion, nicht im Bereich naturwissenschaftlicher Gesetze, sie zeigt darüber hinaus, wie wenig der Ursprung von Fake News verstanden wird. Der liegt nämlich nicht hauptsächlich in der Verantwortung geheimer und böswilliger Mächte, wie suggeriert wird, sondern im selbstverschuldeten Glaubwürdigkeitsverlust der etablierten Medien. Dieser Verlust wird zwar erkannt und teilweise auch zugegeben, allerdings wird er offensichtlich als Folge der massenhaften Nutzung sozialer Medien betrachtet, was einer Verwechslung von Ursache und Wirkung nahekommt. Dass der Verlust des Meinungsmonopols nicht damit einhergehen muss, auch an Glaubwürdigkeit zu verlieren, wird von den Verantwortlichen in Presse und Fernsehen scheinbar übersehen. Intern wird eine Durchhaltemoral gepflegt, die darauf hinausläuft, sich nicht irre machen zu lassen von Lügenpresse-Vorwürfen und genauso fakten- und wahrheitsorientiert weiterzuberichten wie eh und je.

Natürlich ist es gut zu verstehen, dass sich der einzelne Redakteur oder Autor in Diensten einer Zeitung oder eines Senders nicht vorwerfen lassen will, bewußt sein Publikum zu belügen. Das zurückzuweisen, ist ganz richtig, und ebenso wie der inzwischen fast selbstverständliche Hinweis darauf, dass politische Einflussnahme fast nie mittels direkter Ansprache durch Politiker erfolgt, sollte es öffentlich immer wieder gesagt werden, um plattem Verschwörungsdenken etwas entgegenzusetzen. Aber man sollte von Journalisten auch erwarten können, dass sie ihre Situierung innerhalb struktureller Zwänge des eigenen Arbeitsumfeldes reflektieren. Auch das müsste öffentlich geschehen, findet aber nicht statt. Oder falls doch, abseits des Mainstreams und hinter verschlossenen Türen. Gründe für dieses Versäumnis gibt es viele, neben übergroßer Eitelkeit und der intellektuellen Unfähigkeit, Strukturen verstehen zu können, gibt es selbstverständlich auch einen politischen Unwillen abweichende Positionen prominent zu vertreten. Das ergibt sich konsequenter Weise aus den hierarchischen Strukturen, die in Medienunternehmen nahezu idealtypisch ausgebildet sind und die persönlichen Aufstieg nur bei einem gewissen Maß politischen Wohlverhaltens erlauben. Individuelle Eigenart und persönliches Engagement werden in Medienbetrieben – ähnlich wie in Parteien – nur soweit gefördert und geschätzt bis sie die Grenzen des inneren Mainstreams, das heißt des intern akzeptierten Meinungsspektrums, zu überschreiten drohen. Das scheint zunächst nicht weiter problematisch zu sein, da die gesamte Medienlandschaft ganz unterschiedliche Wege zur Meinungsbildung zulässt. Nur ist es eben so, dass die Formate mit den größten Reichweiten sich immer ähnlicher werden und nur noch einen bestimmten mittleren Bereich der Meinungen repräsentieren (auch hier ist eine ähnliche Entwicklung wie bei den etablierten Parteien zu beobachten). Die Medienvielfalt, die als materieller Ausdruck des Rechts auf Meinungsfreiheit gelten kann, wird stets durch marktypische Monopolisierung gefährdet, weit problematischer ist aber, dass die reale Vielfalt an veröffentlichter Meinung keineswegs abbildet, wie grundsätzlich unterschiedlich die Ansichten zu ein und derselben politischen Frage sein können. Dafür sind die Mainstreammedien in der öffentlichen Wahrnehmung einfach zu dominant.

Insofern sind die massenhaften politischen Artikulationen in den sozialen Medien jenseits ihrer jeweiligen Inhalte, die nicht selten skurril, dumm und hassverzerrt daherkommen, immer auch Ausdruck eines starken Unbehagens, das die Konzentration von Macht innerhalb einer dichter werdenden Vernetzung von Medien, Politik und Wirtschaft betrifft. Als solche sind sie ernstzunehmen und nicht als hate speech und Fake News abzutun. Gegen dieses Unbehagen sind Faktenchecks genau das ungeeignetste Mittel, da sie auf Basis der Behauptung Lügen richtig stellen zu wollen, ein Machtgebaren fortschreiben, das gerade ursächlich dafür verantwortlich ist, dass Fake News bereitwillig geglaubt und weiter verbreitet werden. Tatsächlich können Lügen vor diesem Hintergrund ihren Charakter wechseln und wahrgenommen werden, als das, was sie nicht sind, nämlich als wahre Aussagen, und damit einer Renitenz Stimme verleihen, die sonst ungehört bliebe. Das zu verstehen, könnte auch Journalisten helfen, ihr ungläubiges Staunen zu überwinden, wenn die offensichtlichsten Lügner zu Helden verklärt werden, während sie selbst – und ihre vielleicht aufrichtigen Absichten – als Manifestationen der “Lügenpresse” diskreditiert werden.

Verschwende deine Tugend

Sport
Als ich einmal ganz entzückt war über eine Kleinigkeit, sagte jemand mir, das sei jetzt aber ziemlich übertrieben gewesen. Und ich schämte mich für einen kurzen stillen Moment. Dann fiel mir mein Basketball-Trainer ein, den die Schiedsrichter während der Spiele immer wieder ermahnen mussten, bitte nicht so euphorisch zu sein. Er reagierte empört auf die Ermahnungen und sagte dazu: “Ich lass mir doch die Freude am Spiel nicht verbieten”. Dann setzte er sich und gab Ruhe bis zum nächsten Punkt oder halbwegs gelungenen Pass, der ihn vor Begeisterung vom Stuhl riss. Niemals wurde unser Trainer laut, weil er etwas zu bemängeln hatte, er liebte das Spiel und er fand jeden seiner Spieler ganz großartig, obwohl wir meistens verloren haben. Als wir zum Auftakt eines Spiels einen perfekten Spielzug vortrugen und ihn mit Punkten krönten, rief er uns klatschend von der Seitenlinie zu: “Saubere Ausführung! Nächstes Mal bitte auf den gegnerischen Korb”. Das war keine Ironie, er sah das Gute immer im Detail. Trotzdem schämten wir uns ein bisschen. Dieses Spiel gegen den Tabellenführer hätten wir übrigens fast gewonnen, da unsere Gegner, allesamt brillante Techniker, mit unserer verwirrenden Spielweise nicht klarkamen.
Mir ging das alles durch den Kopf und was für einen Spaß wir dabei gehabt hatten, vor jetzt fast 25 Jahren. Dann sah ich mir unauffällig den Mann an, der neben mir saß und der mich gerade eben getadelt hatte, und fragte mich, ob er so etwas auch mal erlebt hatte. Er starrte weiter geradeaus, obwohl er meinen Seitenblick auf sich spürte und etwas nervös wurde. Könnte gut sein, dachte ich, wahrscheinlich hat er es nur vergessen.

Pornoise
Meine Nachbarin vom Treppenaufgang nebenan hat ein unverwechselbares Lachen. Zwar habe ich sie noch nie gesehen, und wahrscheinlich würde ich sie auch nicht erkennen, aber da ich mir inzwischen ein eigenes Bild von ihr gemacht habe, weiß ich sowieso, dass sie ein Zille-Original sein muss: Plump, rotwangig, versoffen, lüstern bis in die Haarspitzen, also dermaßen primitiv, dass man vor Scham den Blick abwenden möchte, es aber nicht kann. Sie ist laut, oft hat sie Gäste, dann wird viel getrunken und das Gelächter nimmt kein Ende. Sie lacht ununterbrochen, wiehernd, kreischend, manchmal empört, als müsste sie den Saufkumpanen auf die fummeligen Finger hauen. Später, nachts, die meisten Gäste sind gegangen, und ich hab wohl schon geschlafen, braut sich drüben ein Gewitter zusammen; erste Böen, die mich im Halbschlaf umwehen, ist da was? – dann wird es stürmischer, bis hin zu einem Gejaule, das nur kurz dauert, mich aber noch lange wach hält. Jedenfalls ist es nicht zu überhören, also bin ich dabei, unfreiwillig zwar, fasziniert und abgestoßen, praktisch unbeteiligt, theoretisch aber beschäftigt mit Grübeleien, die vom aufwühlenden Sound mit wechselnden Stimmungen unterlegt werden. Den Morgen danach beginne ich mit einem leichten Kater und schwermütigen Gedanken, insgesamt befinde ich mich in einer zersetzenden Gefühlslage: Bestimmt werde ich als Parasit wiedergeboren.

RB85 meldet sich nicht mehr

Gibt es eigentlich irgendwo noch Hoffnung? Zwischen Lübeck und Neustadt (Schleswig Holstein) jedenfalls nicht. Der Bahnsteig war leer. Als ich zustieg, saßen in der Regionalbahn (RB85) zwei ältere Männer, jeder allein in seinem eigenen Wagen, und für mich stand exklusiv der dritte Waggon bereit, also ging ich bis nach ganz hinten durch und setzte mich. Schön, die Beinfreiheit. Ich sah aus dem Fenster in den Nieselregen und dachte, vielleicht liegt es ja an mir: Wer fährt schon mitten in der Woche bei schlechtem Wetter an die Ostsee. Dann ließ ich das Grübeln sein und blickte wirklich nach draußen, in die Landschaft, und wusste: Meine Schuld ist es nicht. Landwirtschaft soweit das Auge reichte. Flach, grün, monoton. Wer ein gutes Versteck benötigt, sollte hierher kommen und sich einfach in die Landschaft stellen. Da draußen verschwimmt alles zu einem unterschiedslosen Nichts, grün in grün in grün. Verschluckt von einer unsäglichen Langeweile. Ein Baum huschte vorbei, zu schnell, um seine Art bestimmen zu können – eine Birke war es nicht, auch keine Kiefer, ein Baum eben, in dieser Gegend aber DER Baum, der letzte Überlebende. Weiterlesen

Houellebecqs Lächeln

Houellebecq zu lesen, ist vielen seiner Leser widerlich. Was daran liegen mag, dass er ein ziemlich verachtenswertes Individuum ist, wie er selber sagt. Offenbar ist es in seinem Fall unmöglich, das Autorenego vom Text zu lösen, es spricht Houellebecq, der Nihilist, der Provokateur und gelassene Apokalyptiker durch alle seine Erzähler, in etwa so wie ein Filmstar nicht mehr in seiner Rolle aufgeht, selbst wenn er sie gut spielt, sondern die Rolle zum biographischen Teilchen der vermeintlichen Person wird, die der Öffentlichkeit bekannt ist. Stars, Schauspieler im Allgemeinen, leben von ihrer Beliebtheit, da endet der Vergleich mit Houellebecq. Die Beliebtheit der Stars scheint umso größer zu sein, je mehr sie es schaffen, eine ins Absurde gesteigerte Normalität zu verkörpern, also zur denkbar schönsten und größten Imaginationsfläche für das gesellschaftlich Wünschenswerte zu werden. Houellebecq steht für das Gegenteil: Er gibt sich als der zukünftige Mensch aus, den seine Texte prophezeien, als eine Art Zombie seines finanziellen und gesellschaftlichen Erfolgs. Immer wieder führt er an sich und seinen Figuren vor, dass Erfolg in dieser Gesellschaft ein Symptom dafür ist, wie weit sich eine Person an die Verhältnisse angepasst hat, um über Geld, Sex, Macht usw. zu verfügen, oder auch welches Maß an Zynismus nötig ist, um die gleichen Ziele auf anderen, brutaleren Wegen zu erreichen. Das Schöne und Bewundernswerte, das dabei in seiner Literatur entsteht, ist die radikale Ehrlichkeit, mit der Erfolg in einer korrupten Gesellschaft als Perversion dargestellt wird. Das macht ihn und seine Literatur so widerlich, für diejenigen, die einverstanden sind mit den Grundregeln nach denen gesellschaftlicher Erfolg verteilt und bemessen wird. Die Erfolgreichen wirken hässlich und abstoßend, obwohl sie von ihm genauso gezeigt werden, wie sie sich selber sehen wollen. Das ist natürlich gemein. Weiterlesen

Die Arbeit der Anderen

Es war David Foster Wallace, der im Jahr 2005 eine seltsame Rede hielt vor den Absolventen des Kenyon College. Er beginnt seine Rede mit einer kurzen Parabel, die etwa so geht: Treffen zwei junge Fische einen alten. Der Alte grüßt freundlich: “Morgen, Jungs! Wie ist das Wasser so?” Die beiden jungen Fische schwimmen weiter und nach einer Weile schaut der eine den anderen fragend an und sagt: “Was zur Hölle ist denn Wasser?” Weiterlesen

Big Data vs. Null Ahnung

Es treten an: Blödmann gegen Algorithmiker. Sieht schlecht aus für den Blödmann, er ergreift seine einzige Chance und flieht, kreuz und quer durchs Internet, aber Algo ist immer schon da, wenn Blödi ankommt: “Diese Angebote könnten sie interessieren” – personalisierte Werbung. Kommt man da jemals wieder raus oder ist das aussichtslos? Zalando vermisst mich auch, letzte Woche wollten sie, dass ich den Tag mit einem Lächeln beginne. Das hab ich dann gemacht und freudlos mein Laptop angegrinst, es hat nicht geholfen; heute schreiben sie: “Fritz wo bist Du? Wir vermissen Dich!” Vor 5 Jahren hatte ich eine Jacke bestellt, sie sah auf den Bildern besser aus, gut sogar, getragen habe ich sie bisher noch nicht. Das hässliche Ding. Seitdem behandelt mich Zalando sehr herzlich, wie einen guten Freund, dabei war ich nur ein einziges Mal nett zu ihnen. Das hat gereicht für eine lebenslange Partnerschaft. Diese Beziehung ist absolut einseitig, sie klammern, diese Stalker.

Warum ich damals gedacht habe, dass ich da mal was bestellen könnte, weiß ich nicht mehr so genau. Eine schicksalhafte Entscheidung, ich glaube, ich hatte einen 20-Euro-Gutschein in die Hand gedrückt bekommen. Und zwar in meiner liebsten Kneipe, wo man gut in der Sonne sitzen konnte, in einer kleinen Sackgasse, absolute Ruhe mitten in Berlin. Dann hat Zalando seine Zentrale direkt gegenüber in einem alten Industriegebäude eingerichtet. Ab 15 Uhr strömten jetzt täglich junge Angestellte des wohl irgendwie hippen Online-Händlers in die Bar, um ihre müßigen Arbeitsgespräche in Form einer ewigen After-Work-Party fortzusetzen. Das waren aufgeschlossene Leute, clubaffine Neuberliner, äußerst nervig, aufgrund ihrer vibrierend positiven Energien, aber jedenfalls immer bereit einen Gutschein zu zücken und abgeschlafften Gestalten am Tresen ein Lächeln zu schenken. Ich war dann nicht mehr oft da und musste diesen wunderbaren Ort ganz aufgeben.

Auch in der Facebook-Timeline und in meinem absolut werbeverseuchten Mail-Account meldet sich Zalando regelmäßig mit freundlichen Botschaften. Die kümmern sich so intensiv um mich, es ist beschämend, keiner meiner anderen Freunde, – ich meine die, die ich nicht beim Einkaufen kennengelernt habe – hat mir auch nur annähernd so oft geschrieben, und ich lass einfach nichts von mir hören. Vor allem weil ich bisher zu faul war, mein Konto wieder zu löschen. Würde das helfen? Ich glaube, eher nicht. Die einzige Möglichkeit wieder vom Radar zu verschwinden, besteht wahrscheinlich darin, den digitalen Tod zu sterben. Löschung aller Konten und Profile, SIM-Karte raus, Internet abmelden, das hat mich doch sowie alles nur am Rande interessiert, jetzt steck ich bis zum Hals drin. Das funktioniert doch auch nicht, oder? Was sagt der Algorithmiker dazu? Überall im Netz blieben versprengte Teile von mir hängen, Zeichen meiner realen Existenz, vollkommen ausreichend, um mir die Werbung wieder per Post zu schicken.

Die graue Mitte

Und schon wieder strömten die Flüchtlinge über die Bildschirme direkt in unsere Wohnzimmer. Goldene Zeit der TV-Jahresrückblicke. Und immer noch ist die Angst groß, wie es scheint. Der “Kontrollverlust der Politik” wird beklagt, sowas dürfe nicht passieren, da wird dem Bürger zuerst mulmig, dann schlägt Angst in Wut und schließlich in Hass um. Das sei zu beklagen, aber nicht zu ändern, weil es quasi ein natürlicher Vorgang sei: Wem die Natur kommt, der muss ihr folgen, Druck ablassen, sonst geht’s in die Hose. Die verantwortlichen Politiker müssten schon verhindern, dass sich ihre Wähler einnässen. Sonst laufen sie ihnen weg. Und zwar aus Mitte an den Rand, wo sie alles rauslassen dürfen. So sieht das allgemeine Fazit aus: Die Politik müsse der Panik vorgreifen, indem sie so handelt, als wären die Befürchtungen der Bürger tatsächlich berechtigt. Das ist zwar absurd und um es mal in Anlehnung an das Wort des Jahres 2016 zu sagen, das wäre dann “präfaktische” Politik, die auf Ängste reagiert, die die Wähler bald haben könnten. Tatsächlich ist das schon lange gängige Praxis. Allerdings nicht, wie man denken könnte, um irrationalen Ängsten frühzeitig zu begegnen, sondern um sie zu schüren und zu instrumentalisieren für eigene Zwecke.
Angstmache ist ein Mittel der Politik seit es sie gibt und sie wurde auch in den gegenwärtigen politischen Diskurs nicht erst von den Rechtspopulisten eingeführt. Die Durchsetzung der angeblich “alternativlosen” neoliberalen Agenda, der Krieg gegen den Terror und auch die Bankenrettung nach dem Finanzcrash 2008 wären ohne sie nicht möglich gewesen. Dass die Demokratie dadurch von ihren eigenen Repräsentanten delegitimiert und geschwächt wurde, fällt ihnen jetzt auf die Füße. Der Aufstieg der Populisten wird genährt von der Unglaubwürdigkeit der Demokraten.

Das macht es so lächerlich, den Vertretern der etablierten Parteien jetzt dabei zuzuschauen, wie sie in den üblichen Talkshows ihre ehrliche Politik gegen die Lügen der Populisten verteidigen. Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen offensichtlichen Lügen und Zuspitzungen und Vereinfachungen, nur ist er vielleicht so fein, dass er von Nicht-Politikern kaum erkannt werden kann. Letztlich bleibt von all den Verdrehungen nur hängen, dass jeder Politiker sie benutzt, um seine Interessen zu verfolgen. Dass sich das bessere Argument durchsetzt, sei einer der großen Vorzüge der Demokratie, das wird jetzt oft von den blinden Parteisoldaten betont, denen Argumente bisher nur etwas galten, wenn es die eigenen waren. Dass gerade dieses Personal, das die Demokratie mit ihrer Ignoranz und Geltungssucht so nachhaltig beschädigt hat, nun zu ihrer Verteidigung herhalten muss, kann einem wirklich Angst machen.

Liebe in Zeiten der Selbstoptimierung

Kontaktanzeigen in Zeitschriften gibt es ja kaum noch. Bevor der ganze Bereich ins Internet gewandert ist, füllten die “M sucht W”-Spalten immer einige Seiten, während die Anzeigen suchender Frauen naturgemäß seltener waren und oft mit einer halben Seite auskamen. Aber es gab sie immerhin und ich hatte die Angewohnheit, Stadtmagazine zuerst hinten aufzuschlagen und die“W sucht M”-Rubrik durchzusehen. Das war schnell erledigt, die meisten Anzeigen glichen sich, es gab bestimmte Muster, nach denen solche Texte üblicherweise gestaltet wurden: Oft folgte auf die Selbstdarstellung als liebenswerter Sonnenschein eine Liste mit Vorzügen, die potentielle Bewerber mitbringen müssten. Weiterlesen

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